Scherenschnittkunst

Ja, das sind Scherenschnitte. Von Annette Schröter. Sie hängen in Galerien in Berlin und Leipzig. Und ich könnte mir vorstellen, kleiner und nicht ganz so kunstvoll könnten sie demnächst die eine oder andere Wand schmücken.

Am 6.02.2011 gibt es zur Finissage in der Neuen Hamburger Kunstgalerie einen Workshop Scherenschnitte. Das wäre ja schon mal ein Anfang.

Goethe an die Wand!

Wandkleider sollen ja zunächst einfach nur schön sein und unsere Lebensräume behaglicher machen. Doch sie können auch klug machen, dass beweist uns der Engländer Ian Warner zusammen mit seinen Kollegen vom Berliner Büro Blotto Design. Die Agentur hat bereits 4 Mammuttexte auf’s Poster für die Wand gebannt. Was zunächst als graues Einerlei anmutet, entpuppt sich selbst für Brillenträger beim näheren Betrachten als Ulysses, Das Kapital, Macbeth oder Goethes Faust. Was uns interessieren würde: wer trifft die Auswahl und wie aufwändig ist es, so etwas auf 70×100 cm zu bringen?

Tapetenshow: Heimtextil 2011.

Ganz schön viel Wallpaper, Wandtattoos, Stoff, Deko, Handtücher und Fensterrollos. So etwas bekommt man nämlich in 8 Hallen des Frankfurter Messegeländes auf der größten Branchenmesse HEIMTEXTIL zu sehen. Heute geht sie zu Ende. Das Tapetenkaufhaus war da und hat sich ein bisschen umgeschaut:

Ihr müsst wissen, hier treffen sich die Händler und halten nach neuen Trends und Produkten Ausschau. Und nicht nur das, sie kaufen sie auch gleich ein! Das, was bei euch im nächsten Jahr an der Wand hängt, wird hier dingfest gemacht. Die Messesprache ist Englisch, aber man hört auch viel Chinesisch, Polnisch, Russisch, Bengali und Hindi.

 

Mich haben jetzt nicht viele Präsentationen erstaunt. Bei den alteingesessenen Herstellern (Rasch, Erfurt, Marburg, A.S.Creation …) gab es einige Highlights, aber auch viel für den Massengeschmack. Am interessantesten fand ich solche Entwürfe wie die von curiousboy.net (Foto Mitte). Mal abgesehen davon, dass die psychedelic art nicht jedermanns Sache ist, greifen sie das Thema Wand auch in Möbeln bzw. Accessoires wieder auf. Einen ähnlichen Trend findet man auch bei P.I.P. Studio, die mit Eijffinger eine Tapete produzieren, deren Motive man auch auf Porzellan wiederfindet und die damit sehr erfolgreich sind.

Eine Halle höher sah das schon anders aus. Hier stellten die Designer ihre Entwürfe aus, und unter uns: hier gefiel mir jede zweite Präsentation. Hier geht es darum, dass aus einem Musterentwurf eventuell ein neuer Stoff oder eine neue Tapete wird. Man hat hier wirklich  abgefahrene Sachen zu sehen bekommen: ein Entwurf war beispielsweise aus Plastikstreifen gewebtes flaches Gewebe, das bestickt und mit einem Lurexmuster bedruckt war. Leider durfte ich es nicht fotografieren, weil Verstöße gegen den Kopierschutz in dieser Branche ein heißes Thema sind.

Eine junge Künstlerin aus Berlin von den musterwerken.de verriet mir, was so etwas kostet. Für 700 Euro gibt es bei ihr für einen ihrer Entwürfe die Lizenz +Datei und man kann damit machen, was man will: Stoff, Geschenkpapier, Servietten, Tapete, Wandtattoos.

 

 

 

 

 

 

In der Stoffabteilung konnte ich zum Glück einige Bilder machen. Zum Beispiel von diesem Stoffteller hier. Es könnte sein, dass ihr es demnächst auf Bonbonwasser in anderer Form und Gestalt wiederfindet.

Das Tapetenbild

In Hamburg gibt es den Tapeten-Showroom vom Tapeteninstitut, der heißt Tapetenwechsel und liegt am Ballindamm. Die Verantwortlichen dort organisieren hin und wieder kleine Workshops (am Abend von 18 bis 21 Uhr), auf denen Themen wie „Kreatives mit Tapeten“ oder „Farbkonzepte für die eigene Wohnung“ beackert werden. (Die genauen Termine erfahrt ihr auf der Webseite.)

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Ornament Programm

Wer Ornamente genau studiert, wird schnell feststellen, dass vieles am Ornament reine Mathematik oder besser Geometrie ist. Martin von Gagern hat ein Programm erstellt, mit dem man Ornamente zeichnen kann.

(Leider habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, die entwickelten Muster brauchbar herunterzuladen. Die Muster, die ihr hier seht, sind mit dem Ornament-Programm kreiiert und abfotografiert.)

 

 

Tapetenmalerei

Auf Burg Schlitz kann man Tapetenmalerei im sogenannten Schinkelsaal begutachten. Gemeint ist das Malen von Motiven (hauptsächlich Blumen, Ranken oder Tiere) auf  mit Leinen beschichtetem Papier, und zwar per Hand.
Und damit sind wir schon beim Thema: Wer um Gottes Willen lässt seine Tapeten bemalen? Die gibt’s doch zu kaufen, im Geschäft. Ganz so einfach ist die Sache nicht. Zum einen melden natürlich alle historischen Gebäude Bedarf an, wie zum Beispiel Schlösser, Herrenhäuser oder Museen. Hier dürfte die Arbeit größtenteils von Restauratoren übernommen werden und es geht mehr darum auszubessern und zu erhalten als neu zu machen.

Andererseits gibt es aber auch einen „ganz normalen“ Kundenstamm (zugegeben solvent und sehr sehr klein), der sich Tapeten mit eigener Bemalung herstellen lässt. Tapeten nach Wunsch und alter Technik bekommt man allerdings nicht an jeder Ecke. In Hamburg gibt’s eigentlich nur eine Ecke und die liegt mitten in Eimsbüttel und beherbergt die Kunstmalerei Horus. Neben der Wand- und Möbelmalerei gilt die Tapetenmalerei auch bei dem Familienunternehmen als absoluter Exot. Kaum jemand bestellt so etwas, aber hin und wieder eben doch. Das Papier für die Tapeten wird in der eigenen Werkstatt mit Leinen beschichtet und dann mit Acrylfarben in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber bemalt.
Übrigens ist der Beruf des Tapetenmalers natürlich kein „richtiger“ Beruf. Ausgeführt wird die Tapetenmalerei meistens von Bühnen-, Plakat- und MöbelmalerInnen.
Die Handarbeit hat seinen Preis und der liegt bei ca. 1000 Euro pro Bahn (bei einer Breite von 100 cm).

Muster dir was!

Auf der Seite von V&A (Victoria and Albert Museum) könnt ihr eure eigenen textilen Muster entwerfen. Das macht viel Spaß und führt zu überraschenden Ergebnissen.
Außerdem kann man ganz einfach sehen, wie sich die Wirkung des Musters verändert, wenn man es groß- bzw. kleinformatig anlegt. Toll! Solltet ihr unbedingt ausprobieren. Und zwar HIER.

(Diese Seite wurde exklusiv für Tapetenkaufhaus von der Grafikerin Irene Velthuis empfohlen.)

Hinweis: Eigentlich kann man sich das entworfene Muster zumailen lassen. Wie ich feststellen musste, funktioniert das nicht. Also: entweder ausdrucken oder fotografieren!

Wie verändern Tapeten den Raum?

Auch wenn in den letzten 100 Jahren viel passiert ist, unser Raumgefühl wird immer noch von archaischen Naturerlebnissen unserer unmittelbaren Vorfahren geprägt:
Ein lichtdurchfluteter Raum macht uns unter Umständen unsicher, gibt uns aber auch das Gefühl von Freiheit. Ein dunkler, enger Raum dagegen beengt uns, beschützt aber auch und behütet.

Auch der Umstand, dass wir immer zuerst auf den Boden gucken, sobald wir einen Raum das erste Mal betreten, ist ein archaischer. Wir versichern uns erst einmal, dass der Boden, den wir betreten stabil ist und uns aushält. Danach geht der Blick an die Wand, ganz zuletzt an die Decke.

Auf diese natürliche Abfolge: Boden-Wand-Decke kann man selbstverständlich Einfluss nehmen. In meinem Flur lenkt beispielsweise eine (s. l.) tapezierte Wand nicht nur vom Fußboden, sondern auch von dem Garderobenchaos gegenüber ab.

Wie verändern Tapeten den Raum?
(Ich mag zwar weiße Holzfußböden, aber allgemein gilt:)
1. Dunkle Fußböden geben uns ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität.
2. Helle Wände machen den Raum groß und weit.
3. Dunkler Boden + dunkle Wände + helle Decke machen den Raum optisch höher.
4. Eine dunkle Decke macht den Raum optisch niedriger.
5. Findet man den Deckenton noch in anderen gestalterischen Elementen (Möbeln, Tapeten) wieder, wirkt die Decke nicht so einzelgängerisch.
6. Große, dunkle Muster verkleinern die Wandfläche.
7. Kleine, helle Muster weiten den Raum.
8. Eine dunkle Wand im Raum setzt Akzente und verkürzt den Raum, da die Wand zur Mitte drängt.
9. Längsstreifen verengen und lassen den Raum optisch höher erscheinen.
10. Querstreifen machen den Raum breiter und niedriger. ABER: Querstreifen im unteren Drittel der Wand geben dem Raum Ruhe und Weite.

(Alle hier aufgeführten Kenntnisse entstammen eigenen Erfahren oder sind dem Buch: Das 1×1 der Tapete von Dipl. Farbdesigner Wolfgang Raith entnommen.)